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Erfahrungsberichte, Persönliche Geschichten: Melena und Merle

Melena’s & Mer­les Geschichte

„Ich muss­te erst ler­nen, die Ein­zig­ar­tig­keit anzu­neh­men.“ — Mel­e­nas Erfahrungsbericht 

Die Über­ra­schung bei der Geburt: Unse­re ers­te Begeg­nung mit CMN

Als mei­ne Toch­ter Mer­le 2016 gebo­ren wur­de, war die Über­ra­schung groß. Ihr klei­ner Arm und Tei­le ihres Rückens waren von dunk­len Fle­cken über­zo­gen – kon­ge­ni­tale mela­no­zy­tä­re Nävi (CMN). Ich selbst habe es in den ers­ten Minu­ten nicht ein­mal gese­hen, die Heb­am­men und Ärz­te dafür umso schnel­ler. Doch anstatt Panik zu ver­brei­ten, blie­ben sie ruhig und ver­mit­tel­ten mir ein siche­res Gefühl. Mer­le war gesund, ihre Hand beweg­lich, ihre Vital­zei­chen sta­bil. Dafür bin ich bis heu­te dank­bar – denn ich weiß, dass es auch anders lau­fen kann.

Mei­ne ers­te Reak­ti­on: Nicht hin­schau­en, nicht füh­len, ein­fach funktionieren

Und trotz­dem: Ich woll­te am Anfang nichts davon wis­sen. Ich habe die Augen ver­schlos­sen, nicht gegoo­gelt, nicht nach­ge­fragt, ein­fach weg­ge­scho­ben. Viel­leicht, weil mei­ne Vor­stel­lun­gen und die Rea­li­tät so weit aus­ein­an­der­klaff­ten. Viel­leicht auch, weil die Gefüh­le nach der Geburt ohne­hin Ach­ter­bahn fuh­ren. Mein Mann ging viel offe­ner damit um, wäh­rend ich Abstand brauchte.

Die Suche nach Ant­wor­ten: Ers­te Kli­nik­be­su­che und schwie­ri­ge Entscheidungen

Doch das The­ma ließ sich natür­lich nicht igno­rie­ren. Schon nach weni­gen Tagen hat­ten die Ärz­te einen Ter­min in der Haut­kli­nik in Kas­sel orga­ni­siert. Dort hör­ten wir zum ers­ten Mal von mög­li­chen Behand­lun­gen – dar­un­ter auch Der­ma­bra­si­on, ein Abschlei­fen der Haut. Schnell wuss­te ich: Die­se Metho­de ist kei­ne gute Lösung. Sie ent­fernt nur ober­fläch­lich, die Nävus­zel­len blei­ben tief in der Haut. Zurück blei­ben Nar­ben, aber nicht unbe­dingt weni­ger Risiko.

War­um „weg­ope­rie­ren“ nicht immer die Lösung ist

Nach einer zwei­ten Mei­nung in der Uni­ver­si­täts­haut­kli­nik in Tübin­gen und der Opti­on mit Exzi­sio­nen die Nävi ver­klei­nern oder zum Teil ent­fer­nen zu kön­nen stand irgend­wann die Fra­ge im Raum: ope­rie­ren oder nicht? Medi­zi­nisch not­wen­dig war es nicht – aber wir ent­schie­den uns den­noch für eini­ge OPs, bei denen grö­ße­re Nävi am Rücken ent­fernt wur­den. Ich wuss­te: Weg­ope­rie­ren heißt nicht weg. Statt Fle­cken blei­ben Nar­ben, die eben­falls ein­schrän­ken und auf­fal­len kön­nen. Die­se Ent­schei­dung für mein Kind zu tref­fen, war eine der schwers­ten mei­nes Lebens. 

Über die Jah­re habe ich gelernt, dass es nicht DIE EINE rich­ti­ge Lösung gibt. Für man­che Fami­li­en ist eine OP stim­mig, für ande­re nicht. Wich­tig ist, dass wir uns aus­tau­schen, von­ein­an­der ler­nen und ehr­lich über Vor- und Nach­tei­le sprechen.

Wie der Aus­tausch mit ande­ren Fami­li­en alles ver­än­dert hat

Das Nävus Netz­werk Deutsch­land hat mir dabei unend­lich gehol­fen. Dort habe ich ande­re Eltern und Kin­der ken­nen­ge­lernt und zum ers­ten Mal gespürt: Wir sind nicht allein. Genau die­ses Gefühl und eine umfas­sen­de Bera­tung gebe ich heu­te den Eltern, die mit ihren, zum Teil neu­ge­bo­re­nen, Kin­dern zu uns kommen.

Mer­les Umgang mit ihrem Nävus: Selbst­be­wusst, frei, unbeschwert

Und Mer­le selbst? Für sie ist ihr Nävus selbst­ver­ständ­lich. Wenn ande­re Kin­der fra­gen, sagt sie: „Das ist mein Mut­ter­mal, damit bin ich gebo­ren.“ Dann geht es zurück zum Spie­len. Sie spürt manch­mal die Bli­cke – manch­mal von Kin­dern aber vor allem oft von Erwach­se­nen – und sagt mir, wenn es ihr unan­ge­nehm ist.  Wir spre­chen dann über ihre Mög­lich­kei­ten wie sie damit umge­hen kann. Im Gro­ßen und Gan­zen ist das für sie kein The­ma. Sie trägt, was sie möch­te, und lebt unbe­schwert. Ist selbst­be­wusst mit­ten in der Gesellschaft.

Was ich gelernt habe – und was ich ande­ren Eltern mit­ge­ben möchte

Ich muss­te am Anfang ler­nen, mit ihrer Beson­der­heit umzu­ge­hen. Ich habe erkannt, dass Weg­schau­en nichts löst, dass Stär­ke im Anneh­men liegt – und dass ich mei­ne Toch­ter nur stär­ken kann, wenn ich selbst ler­ne, offen zu sein. Heu­te bin ich stolz: auf Mer­le, auf unse­re Fami­lie und auch auf mich. 

Was ich ande­ren Eltern mit­ge­ben möch­te: Ihr müsst nicht alles sofort wis­sen oder entscheiden. 

Nehmt euch Zeit, tauscht euch aus, holt euch Unter­stüt­zung. Schaut euer Kind an und seht all die wun­der­ba­ren Eigen­schaf­ten und Din­ge, die es ausmacht.